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Familientreffen der drei Birken

Als unsere Birke wegen eines Umbaus weichen musste, war sie gut 25 Jahre alt und hatte schon für einigen Bonsai-Nachwuchs gesorgt. Vorsorglich hatte ich mir Teile des Stammes gesichert, weil ich schon immer mal ein Bonsaigefäß aus einer Baumscheibe der Art herstellen wollte, die ich in das Gefäß setze.

Heraus gekommen ist eine Gruppenpflanzung, bei der drei Kinder, Enkel oder Urenkel der einstigen Stammhalterin in einer Schale aus ihrem Holz stehen. So entstand ein "Erinnerungsschrein" für unseren ehemaligen Hausbaum.

Erste Herausforderung: Eine Scheibe aus dem Stamm heraus sägen und als Schale vorbereiten. Dafür habe ich zur Handsäge gegriffen, was einen sauberen Schnitt ergab. Das Holz war für drei Jahre gelagert.

2. Schritt: Das Innere des Gefäßes "aus dem Vollen fräsen". Mit grobem und freiem Fräskopf ging ich an die Arbeit. Zuvor habe ich die Anordnung festgelegt. Das mittlere, große Abzugsloch ergab sich ganz von selbst. Hier ist das Material ausgebrochen. Drei weitere Abzugslöcher habe ich für jeden der drei Bäume eingefräst. Durch die Netze wurden die Pflanzen später fixiert.


Das Gefäß ist fast fertig

In der Draufsicht sieht man die Löcher recht gut. Die Netze für die Abzugslöcher wurden von unten aufgetackert. Um unsere Schale feuchtigkeitsbeständig zu machen, habe ich Bootslack verwendet und damit das komplette "Innenleben" sowie die Unterseite zwei mal gestrichen. Man erkennt noch mehrere Klebestellen auf dem Foto. Tatsächlich bildeten sich bei der Bearbeitung mehrere Risse, die mit Holzleim verschlossen wurden. 


Da ich noch keine Erfahrungen mit einer solchen "Schale" habe, sind auch keine sonderlich wertvollen Bäume dort eingezogen. Es sind eine 5-jährige Birke, die wahrscheinlich später mal abgemoost wird (viel zu hoch; starke Drahtspuren). Außerdem ein eingekürzter 1-jähriger Steckling und ein "Urenkel", der gerade erst auf die Welt gekommen ist. Im kommenden Jahr kann man einer ansonsten gesunden Birke einen Umzug zumuten, auch ohne das Blattwerk stark zu reduzieren.

Die Pflanzen behielten etwas Boden und alle Wurzeln. Dann bekam die Schale eine Drainage aus ca. 50% Kies und 50% Akadama. Diese Drainage hat sich bei mir für Birken gut bewährt.

Danach wurde Laubbaumgranulat eingebracht. Dafür verwende ich - gerade bei Pionieren, wie den Birken - Akadama, Lavagranulat und Erde im Verhältnis 1:1:1. Akadama unbedingt vorher sieben, damit der ganze Staub gar nicht erst in die Schale kommt.

Wie man sieht, schaut das Gefäß ordentlich aus. Ein paar Stückchen feines Moos habe ich auf der Oberfläche verteilt und hoffe darauf, dass es schön weiter wächst - wichtig bei heutigen Sommertemperaturen. Danach stelle ich meine Familie an einem geschützten Platz auf und hoffe, sie kommt gut durch den Winter.



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